Institut für Kategoriale Analyse

INKATAN

»Universität in Sicherheit« – Um wessen Sicherheit geht es eigentlich, wenn in der unternehmerischen Hochschule von Sicherheit die Rede ist?

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Von Anna Kern (Inkatan Frankfurt/Main)

(erschienen in: Hochschule im Neoliberalismus. Zur Kritik der Lehre und des Studiums aus Sicht Frankfurter Studierender und Lehrender)

Der Wecker klingelt früh um sieben. Es fällt schwer aufzustehen, das Lernen für die anstehenden Klausuren gestern Nacht ging bis zwei, trotzdem beginnt die Vorlesung pünktlich um acht, schließlich erfasst der RFID-Chip in der Goethe-Card genau, ob und wie lange sie anwesend ist. Nichtanwesenheit ist gleichbedeutend mit Nichtteilnahme an der Klausur, was wiederum Exmatrikulation heißen könnte. Der Weg zum Campus führt vorbei an den Pförtnern, und bis sie den Seminarraum erreicht, wird sie etwa fünf mal von den installierten Kameras aufgenommen; den Weg dorthin speichert der Chip der Goethe-Card ebenfalls genau. Nach dem Seminar noch in die Bibliothek.
finden sich erneut Sicherheitsschleusen, jedes der ausgeliehenen Bücher ist mit einem Chip versehen, was die Vervollständigung ihres Bewegungsprofils erleichtert, wenn man die Chipdaten der Bücher mit den Daten ihrer Goethe-Card abgleicht. Beim Mittagessen in der Mensa, wo sie mit ihrer Goethe-Card bezahlt, wird ihr Weg weiterverfolgt, Rückschlüsse über ihr Essverhalten inklusive. Auf dem Weg nach Hause wird sie kurz vor dem Tor des Campus auf eine kleine Protestkundgebung aufmerksam, es werden Flyer verteilt, die die Sicherheits- und Reinigungsdienste jedoch sofort wieder einsammeln, die Plakate, die zur Kundgebung aufriefen, konnte sie gar nicht sehen: sie wurden, sofort nachdem sie aufgehängt wurden, wieder entfernt und entsorgt; die Universitätsangestellten sorgen auch dafür, dass die Protestierenden die Gebäude nicht betreten – so wie es in ihrer Stellenbeschreibung vorgesehen ist. Sie geht nach Hause.

Egal ob Kameras, RFID-Chips, Sicherheitspersonal – jede dieser in diesem fiktiven Tagesablauf einer zukünftigen Hochschulstudentin beschriebenen und unzählige weitere Maßnahmen betreffen jeden Tag alle Menschen, die sich in und um die Universität aufhalten. Alle diese Maßnahmen haben ein gemeinsames Ziel: die Sicherheit in der Universität herzustellen und zu gewährleisten. Weil sie damit an einen aktuellen gesellschaftlichen Diskurs anknüpfen, in dem der Begriff der Sicherheit die zentrale Bezugsgröße bildet und während dessen inhärente Logik sich als Eigenlogik verselbständigen, bedürfen diese Maßnahmen häufig keinerlei besondere Begründung – im Gegenteil geraten diejenigen, die diese Legitimität in Frage stellen, meist selbst unter Verdacht. Wer ist schon gegen Sicherheit? Ehrliche Bürger haben nichts zu verbergen. Dabei ist „Sicherheit“ gerade aufgrund der Ungenauigkeit der Definition und weil der Begriff eine Projektionsfläche für allerlei moralische und individuelle Vorstellungen bietet, oft schwer zu fassen. Für wen, fragt sich, soll Sicherheit eigentlich hergestellt werden und warum? Wer hatte danach gefragt, wer um mehr Sicherheit gebeten? Fragen, deren eindeutige Beantwortung schwerfällt. Zum einen, weil diese Fragen häufig, im Gegensatz zu früheren Jahrzehnten, überhaupt nicht mehr gestellt werden, und zum anderen, weil bei der Herstellung von Sicherheit beim besten Willen nicht von einer einheitlichen Strategie gesprochen werden kann. Vielmehr haben wir es mit einer verselbständigten und sich weiterhin verselbständigenden Logik zu tun, die sich aus widersprüchlichen gesellschaftlichen Bedürfnissen und Anforderungen speist. Subjektives, wie individuelle und kollektiven Ängste einerseits, und Objektives, der ökonomischen Notwendigkeit der Produktion, d.h. der Sicherung des fortschreitenden Akkumulationsprozesses folgend, schließen sich in der Logik der Sicherheit zusammen Konkret bezogen auf den Frankfurter Campus zeigt sich diese Widersprüchlichkeit etwa am Zustandekommen des universitären Sicherheitsarrangements. Da wäre zunächst der „Bereich Sicherheit“ zu nennen, der Teil der Hochschulverwaltung und der Universität angeschlossen ist und allesicherheitsrelevanten Gebiete, die den (körperlichen) Schutz der Menschen, die sich an der Universität bewegen, zentral organisiert und gewährleisten soll. Er umfasst die Gebiete „Strahlenschutz und Betäubungsmittelrecht“, „Abfall- und Gefahrengut“, „Arbeitsschutz“ einschließlich des „Brandschutz“, sowie „Biologische und Chemische Sicherheit“. Gebiete originärer Sicherheit – verstanden als Abwehr unmittelbarer Gefahr für die Existenz also, die im Bewusstsein der meisten Studierenden jedoch keine allzu große Rolle spielen dürften. Für deren Alltag sind andere Momente relevanter. Sicherheitspersonal, Kameras, RFID-Chips etwa, um nur einige zu nennen. Diese Bereiche der universitären Sicherheit werden jedoch in anderen Stellen der Verwaltung geregelt, die, auffallend genug, nicht dem „Bereich Sicherheit“ zugeordnet sind. An der Universität Frankfurt ist hierfür das Immobilienmanagement zuständig, genauer: das „infrastrukturelle Gebäudemanagement“, das dem „Serviceteam Campus Westend“ und der „Hausverwaltung Bockenheim“ obliegt. Entgegen weit verbreiteter Vorstellungen operieren hier keine privaten Sicherheitsdienstleister, sondern Verwaltungsangestellte der Universität, die in ihrem Aufgabenbereich für die Koordination von Hausmeister- und Sicherheitsaufgaben zuständig sind. Sie sind damit Teil des neueren Konzepts des Gebäude- und Facilitymanagements.[1] „Sicherheit“ lässt sich angesichts dieser Aufteilung seitens der universitären Verwaltung vorläufig in zwei Bereiche unterteilen: In den Schutz von Menschen vor als objektiv angenommenen Gefahren und der Schutz vor Menschen. Die Unterscheidung von Schutz und Sicherheit unterliegt hier vor allem einer alltagssprachlichen Differenz, die Schutz als eher technische Kategorie versteht, die noch keinen politischen Diskurs kennt. Der erste Bereich ist weitgehend nicht Gegenstand des Sicherheitsdiskurses im engeren Sinn. Die ihm politisch zugeschriebene Aufgabe, die Gewährleistung individueller Sicherheit vor naheliegenden arbeitstechnischen, stofflichen etc. Gefahren, hat sich in den letzten Jahren im Wesentlichen nicht verändert, weshalb er als stabil beschrieben werden kann. Die diskursive Formation des zweiten Bereichs ist weitaus weniger stabil, ist Gegenstand explizit oder implizit vollzogener gesellschaftlicher Diskussions- und Aushandlungsprozesse und hat in den letzten Jahren dementsprechend großen Veränderungen unterlegen, nicht zuletzt aufgrund der zahllosen technischen Neuerungen auf dem Gebiet der Überwachungstechnik (die den Diskurs weiter befeuert haben). Eine nähere Betrachtung dieses Bereichs lohnt sich, auch weil damit verschiedene politische Einschätzungen der Bedeutung universitärer Räumen zusammenhängen. Eine zentrale Instanz der Sicherheitsaushandlung ist der universitäre Verwaltungsapparat mit seinen unterschiedlichen Abteilungen und teilweise gegenläufigen institutionellen Interessen und Handlungslogiken. Seine ihm durch die Universitätsleitung überantwortete Aufgabe, d.h. aus seiner Eigenlogik und dem Interesse an sich selbst heraus (Offe 2006), ist die Gewährleistung der ungestörten Funktion der Institution Hochschule. Die Herausforderung besteht demnach darin, die Liegenschaften so zu organisieren, dass viele Tausend Studierende tagtäglich die Institution durchlaufen können, da hierin letztendlich auch ihr finanzieller Erfolg liegt; das Kriterium des Verwaltungsapparats ist – nicht überraschend für eine kapitalistisch-strukturierte Institution – die Effizienz. Jedes Anzeichen devianten Verhaltens ist aus dieser institutionellen Perspektive der Verwaltung potentiell dazu geeignet, den Ablauf zu stören. Verhinderung, Eindämmung und Beseitigung möglicher und tatsächlicher Störungen ist konsequenterweise Teil dieser Perspektive. Die Perspektive der Studierenden ist in der Regel eine andere. Für sie ist die Hochschule der Ort, an dem sich ein großer Teil ihres Alltagslebens abspielt. Hier lernen sie, treffen Freunde, essen, organisieren politische und Freizeitaktivitäten (z. B. Partys). Kritische Studierende sehen die Uni darüber hinaus als Ort der Reflexion, als Raum zur Entwicklung eines kritischen Bewusstseins und daraus folgender Praxen (wie z. B. künstlerische und organisatorische Kreativität). Der Konformitätsanforderung der zentralen Verwaltung zu genügen, ist nicht ihr erstes Interesse, vielmehr sind sie mitunter darin bestrebt, Persönliches sichtbar zu machen, woraus auch eine Aneignung der universitären Räume folgt. „Sicherheit“ bedeutet aus dieser Perspektive der Studierenden zunächst und vor allen Dingen, die persönliche Freiheit vor dem Zugriff gewaltförmiger  (staatlicher und privater) Akteure. Mit anderen Worten meint dies also auch Störungsfreiheit – sowohl von hoheitlichen wie auch von Störungen durch unerwünschte Dritte – weswegen das Kriterium für erfolgreiche Verwirklichung der Sicherheit in dieser Perspektive nicht Effizienz ist, sondern (liberale) Freiheit. Da aber nicht nur die Unileitung und die Studierenden Teil der Universität sind, entwickeln sich über diese Perspektiven hinaus noch eine ganze Reihe anderer Sicherheitsbedürfnisse: Die Angestellten (Dozentinnen, Verwaltungsangestellte, Hausmeisterinnen, Mensaangestellte, etc.) der Universität benötigen Sicherheit im Arbeitsalltag, die Obdachlosen einen sicheren Ort, an dem sie vor den üblichen Schikanen der Gesellschaft geschützt sind, etc. pp. Es zeigt sich damit, dass das allgemeine „Sicherheitsbedürfnis“ im Wesentlichen aus – in ihrer Spezifität durchaus ernst zu nehmenden – Einzelbedürfnissen besteht, die über den Kontext der jeweiligen konkreten gesellschaftlichen Umgebung entstehen und sich durchaus im Widerspruch zueinander befinden können.[2] Diese teilweise sehr konträren Bedürfnisse können in ihrer Gegensätzlichkeit über den Raum Universität erfasst werden, weil sie hier als Interessen artikuliert werden und damit an diesem Ort in ihrer Überlagerung und Vermittlung eine spezifische Materialität entwickeln. Eine kurze Analyse der Perspektive der Universitätsleitung, die aus der Perspektive der Studierenden also ein gegenläufiges Interesse artikuliert, kann zu einem besseren Verständnis der mit „Sicherheit“ verbundenen Logik verhelfen. Sie folgt dem Effizienzkriterium, welches aktuell mit dem sich gesellschaftlich durchsetzenden Präventionsimperativ vermittelt ist, welcher seine Wirkmächtigkeit vor allem über Abschreckung entwickeln soll: Durch Kameras und Sicherheitspersonal wird die Möglichkeit „krimineller Handlungen“ im Bereich der Universität für alle sichtbar gemacht, inklusive der Möglichkeit der (straf- oder disziplinarrechtlichen) Verfolgung dieser Handlungen. Allen wird so mitgeteilt, dass den Handlungen, die den normalen Ablauf stören, direkt Konsequenzen folgen können – die Definitionsmacht über „Störungen“ liegt dabei zunächst – etwa die Auslegung der Hausordnung – auf der Seite der Verwaltung. Die innere Logik des Präventionsimperativs ist nur über den Einbezug der Analyse seiner Funktionsgrundlage verstehbar. Die Definition des „Störenden“ , bzw. „Kriminellen“, geschieht über verschiedene Abstraktionsschritte (vgl. Belina 2006), die allgemein Abstraktionen von gesellschaftlichen Macht- und Herrschaftsverhältnissen und damit dem gesellschaftlichen Kontext darstellen und somit erst in der Lage sind, einzelne Handlungen als abweichende Handlungen zu benennen. Erst durch diese Konstruktion werden präventive Maßnahmen legitimierbar und schließlich justitiabel. Diese Abstraktion konstruiert zuerst den „kriminellen“ bzw. störenden Akt. Dabei werden gesellschaftliche Handlungen von ihrem sozialen Kontext zu Einzelakten isoliert. Diese Abstraktion – die nicht mehr fragt, wer warum und unter welchen Bedingungen etwas tut – ist die Grundlage, überhaupt eine Definition der „Störungen“ und einen spezifischen (verwaltungstechnischen, polizeilichen) Umgang mit ihnen entwickeln zu können. Die darauf aufbauende zweite Abstraktion konstruiert dann ein störendes Individuum, dem als Eigenschaft die Ausübung devianter oder krimineller Akte d.h. ein prinzipiell deviantes Verhalten zugeschrieben wird und von dessen weiteren sozialen „Eigenschaften“ und seiner gesellschaftlichen Subjektivierung abgesehen wird. Erst über die Existenz dieses Individuums kann Prävention legitimiert werden, die ihre objektive, gesellschaftlich allgemein anerkannte Gültigkeit konstituiert, indem sie sich von rein privaten Einschätzungen abhebt. Die Zusammenfassung vieler störender Individuen ist wiederum die Grundlage für den dritten Abstraktionsschritt, die Konstruktion einer störenden Gruppe (z.B. Obdachlose). Hierbei werden „Ähnlichkeiten“ dieser Individuen auf eine ganze Gruppe übertragen, was eine Generalisierung zur Folge hat, über die dann die Typologie von Problem- oder Tätergruppen stattfinden kann. Damit einher geht eine weitere Begründung und Legitimation präventiver Maßnahmen: Wird in einer an Effizienz ausgerichteten Institution die Existenz nicht nur von generell störenden Individuen, sondern ganzer Tätergruppen vorausgesetzt, ist es in dieser Perspektive naheliegend, dass es eine Notwendigkeit gibt, gegen diese vorzugehen, ohne der/m jeweils Einzelnen Störungshandlungen explizit nachweisen zu können oder zu müssen. Mit dem letzten Abstraktionsschritt – der Konstruktion des „gefährlichen“ Raumes findet dann die Ausweitung dieser Logik auf Räume statt. Dies zeigte sich an der Frankfurter Universität etwa anlässlich der Räumung des Casinos. Erhält ein Raum den Status als „gefährlich“, werden alle dort anwesenden Personen einem Generalverdacht ausgesetzt. Die Prävention wird durch diesen letzten Abstraktionsschritt ein weiteres mal vorverlagert und zugleich legitimiert: Im Sinne einer „Kontrollkalkulation“ soll nicht mehr die Abweichung selbst, sondern bereits deren Möglichkeit verhindert werden. „Ihr Zweck besteht darin, als ‚kriminell‘ angenommene Individuen durch Veränderungen in deren Umwelt daran zu hindern, ihr ‚kriminelles Wesen‘ auszuleben. Der Grund der neuerlichen Beliebtheit dieser Sichtweise ist ein ganz praktischer: Auf diese Weise kann scheinbar etwas gegen ‚Kriminalität‘ getan werden, ohne sich mit deren Gründen befassen zu müssen“ (Belina 2006, 124). Was sind nun die daraus folgenden Konsequenzen für den universitären Alltag? Zunächst einmal ist festzuhalten, dass die Abgrenzung universitärer Räume bezüglich gesellschaftlicher Transformationsprozesse zu einem imaginierten Rest der Gesellschaft nicht sinnvoll ist. Auch hier werden gesellschaftliche Entwicklungen wirkmächtig. Die Einführung von Kameras und Sicherheitspersonal auf dem Campus ist keine originäre Reaktion auf protestierende Studierende, sondern folgt einem bestimmten allgemeinen Umgang mit gesellschaftlichen Risiken, sozialen Abweichlern und Störerinnen im Zeichen eines sich durchsetzenden gesellschaftlichen Präventions- und Kontrollimperativs. Von qualitativen Neuerungen auf diesem Feld kann trotz der außerordentlichen Beschleunigung der (auch technizistisch geführten) Debatten um die Sicherheit derzeit nicht gesprochen werden. Allerdings werden viele „Errungenschaften“ der Debatten der letzten Jahre jetzt erst sichtbar. Erfolgreich einen Kampf gegen Überwachung und Kontrolle an der Hochschule zu führen, hat zwingend eine Reflexion des Begriffs der Sicherheit und seine gesellschaftliche Verfasstheit zur Voraussetzung, sonst greifen alle Bemühungen zu kurz. Eine solche Auseinandersetzung wäre immer schon zum Scheitern verurteilt, wenn sie isoliert von anderen gesellschaftlichen Kämpfen stattfände. Dies gilt auch für die damit verknüpfte Frage nach den sich daraus ergebenden Praxismöglichkeiten. Diese Reflexion kann zum einen in der Reflexion über die eingesetzte Sicherheitstechnik liegen. RIFD-Chips und Kameras, die mit Datenbanken und Computern verbunden sind und somit grundsätzlich für die Bildung von Netzwerken eingesetzt werden können, könnten beispielsweise zu einer demokratischen Strukturumwandlung der Produktion von Nutzen sein.[3] Unter kapitalistischen Verhältnissen gibt es diese Möglichkeit jedoch nicht, weil sie hier dem Zweck der Effizienz und den kapitalistischen Verwertungsinteressen dienen, dennoch wird hier ein Moment sichtbar, das durch den Hinweis auf den möglichen Gebrauchswert von Techniken auf ein der kapitalistischen Gesellschaft inhärentes utopisches Moment verweist (Metzger 2009). Auch die spezifischen Interessenskonflikte von Studierenden und Universitätsverwaltung werden, wie gezeigt, über die Materialisierung ihrer unterschiedlichen Sicherheitsinteressen am Raum Universität sichtbar und bieten weitere Ansatzpunkte für politische Interventionen. Das an der Universität eingesetzte Sicherheitspersonal ist für die Studierenden etwa ein relevanter Gegenstand, weil es die Interessen der Universitätsverwaltung bzw. der Universitätsleitung artikuliert. Es auf eine exekutive Funktion zu beschränken, unterschlüge gleichwohl ihr spezifisches Eigeninteresse, das durchaus die Möglichkeit zu situativen Koalitionen in sich trägt. Grundsätzlich verweist jedoch auch die Auseinandersetzung mit der Sicherheitspolitik an der Hochschule des 21. Jahrhunderts auf die Forderung nach einer grundsätzlichen Demokratisierung der Hochschule. Demokratische Verfahren, die alle Angehörigen der Hochschule gleichberechtigt in die Entscheidungsfindung  mit einbeziehen, würden zwar die unterschiedlichen und bisweilen gegensätzlichen Interessen der Akteure an der Hochschule nicht aufheben, sie stellen aber einen Rahmen dar, in dem die verschiedenen Bedürfnisse nach Sicherheit überhaupt verhandelt werden können. Dass solche demokratischen Aushandlungsprozesse Zeit und Raum brauchen, die nicht nur gegen bisweilen autokratische Universitätsleitungen erkämpft werden müssten, sondern im  kapitalistischen Wettbewerb der unternehmerischen Hochschulen einen veritablen Standortnachteil darstellen (Schlemermeyer 2009), steht auf einem anderen Blatt.

Literatur: Belina, Bernd: Raum, Überwachung, Kontrolle. Vom staatlichen Zugriff auf städtische Bevölkerung. Westfälisches Dampfboot, Münster 2006. Eick, Volker/ Jens Sambale/Eric Töpfer (Hg.): Kontrollierte Urbanität. Zur Neoliberalisierung städtischer Sicherheitspolitik. transcript, Bielefeld 2007. Kern, Anna: Die Produktion von (Un-)Sicherheit. Zur Funktion von Sicherheit in der kapitalistischen Vergesellschaftung. Diplomarbeit am Fachbereich 3 der Goethe-Universität, Frankfurt 2009. Metzger, Philipp: Die Werttheorie des Postoperaismus. Eine Darstellung, Kritik und Annäherung unter besonderer Berücksichtigung von Hardt/Negri. Diplomarbeit am Fachbereich 3 der Goethe-Universität, Frankfurt 2009 Offe, Claus:Strukturprobleme des kapitalistischen Staates. Campus, Frankfurt 2006. Schlemermeyer, Jan: Die strukturelle Transformation der Demokratie. Zum Verhältnis von Reproduktion und Veränderung in der materialistischen Staatstheorie. Diplomarbeit am Fachbereich 3 der Goethe-Universität, Frankfurt 2009.


[1] Zum Thema private Sicherheitsdienste empfiehlt sich zum Weiterlesen Eick u.a. (2007)

[2] Vgl. zu Überlegungen eines „Sicherheitsfetisch“: Anna Kern (2009)

[3] Z.B. zur Ermittlung der Bedürfnisse, zur Gewährleistung einer transparenten Produktion und zuletzt zur Ermöglichung einer demokratischen Kontrolle eben dieser.

Written by INKATAN

Juli 8th, 2010 at 3:41 pm