Institut für Kategoriale Analyse

INKATAN

„Was meint eigentlich Kapitalismus?“ Wochenendseminar

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Mit Jan Schlemermeyer und Philipp Metzger (Inkatan, Frankfurt am Main)

Einführung in die kategoriale Kapitalismuskritik
19.-21. November Universität Köln

Entgegen der Eindeutigkeit, die der Begriff „Kapitalismus“ in politischen Debatten zunächst suggeriert, ist er in der kritischen Theorie seit Jahren Gegenstand unterschiedlich und mitunter sogar gegensätzlicher Interpretationen. Denn zentrale materialistische Kategorien wie z.B. Klasse und Geschichte, Ökonomie und Politik, Subjekt und Struktur sind auch in der Marxschen Tradition keineswegs eindeutig geklärt.

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Die im Kontext der sogenannten Neuen Marx-Lektüre in letzter Zeit entwickelte, kategoriale Marx-Interpretation, wie sie beispielsweise von Autoren wie Moishe Postone und Ingo Elbe vertreten wird, bietet vor diesem Hintergrund eine vielversprechende Möglichkeit für eine gesellschaftstheoretische Fundierung kritischer sozialwissenschaftlicher Untersuchungen. Kapitalismus als analytische Kategorie wird hier, entgegen einer in der materialistischen Theorie lange gepflegten Orthodoxie, als eine komplexe und historisch-dynamische Form gesellschaftlicher Unfreiheit begriffen werden. Sie bezeichnet demnach, weit davon entfernt nur eine „Wirtschaftsweise“ zu beschreiben, eine historisch besondere und qualitativ eigene Gesellschaftsform, deren Strukturen eine soziale und historische Dynamik nicht abstrakt entgegen gesetzt, sondern vielmehr immanent ist. Diese neue Perspektive hat bemerkenswerte Folgen sowohl für alle Versuche einer praktischen Kapitalismuskritik wie auch die theoretischen Analysen der aktuellen, mit Schlagwörtern wie ‘Globalisierung’, ‘Postmoderne’ und ‘Neoliberalismus’ nur sehr ungenau beschriebenen, gesellschaftlichen Umbrüche.

In dem Wochenendseminar wollen wir uns diesem neuen Paradigma innerhalb der materialistischen Gesellschaftstheorie nähern und die kategorialen Marxinterpretation anhand von Überlegungen in den Bereichen Ökonomie, Politik und Subjektkonstitution genauer unter die Lupe nehmen; nicht zuletzt in dem wie ihre Erklärungskraft gegenüber einigen gängigen materialistischen und poststrukturalistischen Ansätze diskutieren. Davon ausgehend sollen dann Kritiken an traditionellen, in der Linken jedoch häufig immer noch wichtigen, Revolutionstheorien und Konzepten gesellschaftlicher Veränderung zusammen erarbeitet und diskutiert werden.

-Seminarplan-
19.11. Freitag: 16–21 Uhr (s.t.):
Block I. Einleitung/Einführung in die Kritik der politischen Ökonomie

20.11. Samstag: 10–16:30 Uhr (s.t.):
Block I. Klassen- und Werttheorie – Kategoriale Analyse und Postoperaismus im Vergleich
Bock II: Staat und Politik – Hegemonietheorie und Formanalyse im Vergleich
Block III: „Lenin, Trotzki, Mao, Gramsci,… und jetzt?“ – Traditionelle Revolutionstheorien und kategoriale Kapitalismuskritik im Vergleich

21.11. Sonntag: 10–16 Uhr (s.t.):
Block I Kapitalismus und Geschlecht

Literatur:

  • Agnoli. Johannes (1995): Der Staat des Kapitals, Freiburg
  • Pos­tone, Moishe (2008): Kritische Kapitalismustheorie heute: Brenner, Arrighi, Harvey und antikapitalistische Strategien, Hamburg
  • Postone, Moishe (2003): Zeit, Arbeit und gesellschaftliche Herrschaft, Freiburg
  • Hirsch, Joachim (2005): Materialistische Staatstheorie, Hamburg
  • Hardt, Michael; Negri, Antonio (2002): Empire. Die neue Weltordnung. Frankfurt a. Main, New York.
  • Lemke, Thomas (o.J.): Eine Kultur der Gefahr Dispositive der Unsicherheit. www.thomaslemkeweb.de/publikationen/EineKulturderGefahr.pdf
  • Lohoff, Ernst (2006): Der Wert des Wissens. Grundlagen einer Politischen Ökonomie des Informationskapitalismus. In: Krisis, 31, 13–52.
  • Kannankulam, John (2008): Konjunkturen der inneren Sicherheit vom Fordismus zum Neoliberalismus. In: Prokla. Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft, Heft 12, 38. Jg., Nr. 3
  • Krahl, Hans- Jürgen (2008): Zur Wesenslogik der Marxschen Warenanalyse. In: Konstitution und Klassenkampf. Zur historischen Dialektik von bürgerlicher Emanzipation, Schriften, Reden und Entwürfe 1966–1970. Frankfurt, 5. Auflage, 31–84.

Weitere Infos:

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Written by INKATAN

Oktober 28th, 2010 at 9:31 pm